0614831818 office@proimmo.ch

Fragestellung: Die Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie läuft ab, bzw. muss eingerichtet werden. Wie lange soll die Zinsbindungsfrist gewählt werden? Was ist die ideale Laufzeit für die Hypothek?

Gute Frage, auf welche es leider keine allgemeingültige Antwort geben kann. Das gilt zwar für praktisch alle finanziellen Belange, im Bezug auf die Zinsbindung ist es aber besonders deutlich erkennbar.

Das Problem ist, dass wir alle uns ziemlich schwer tun in die Zukunft zu schauen. Weder wissen wir, wie sich die Zinsen in der Zukunft bewegen, noch was von der Inflation zu erwarten ist. Das größte Problem steckt aber nicht einmal in der technischen Problematik einer Finanzierung. Das größte Problem sind Sie.

  • Wie sicher ist Ihr Arbeitsplatz / Ihre Einkommen?
  • Können Sie sich Schulden dauerhaft leisten?
  • Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wegziehen müssen?
  • Sind Sie verheiratet? Und wenn ja, wie lange noch?
  • Handelt es sich um Stockwerkeigentum? Wie setzt sich die Hauseigentümergemeinschaft heute zusammen? Und wie morgen?
  • Bleiben Sie gesund?
  • Steht in Zukunft eine Bedarfsänderung an? Brauchen Sie mehr Platz?

Und das ist nur ein Auszug der wichtigsten Faktoren, welche Einfluss darauf haben, welche Laufzeit Ihr Hypothekardarlehen haben sollte. Das Problem: Feste Laufzeiten erlauben meist keinen Störfall. Denn wenn Sie vorzeitig vom Vertrag zurücktreten müssen, können hohe Kosten auf sie zukommen.

Risikofaktor Vorfälligkeitsentschädigung

Selbst mir als Finanzplaner, welcher in finanziellen Belangen in Jahrzehnten denkt, ist es schon passiert, dass ich eine hohe fünfstellige Vorfälligkeitsentschädigung leisten musste. Leisten wollte, weil die Situation in der Hauseigentümergemeinschaft einfach unerträglich war.

Solche Dinge gibt es. Und deshalb muss das Risiko, dass solche Dinge geschehen, individuell angeschaut werden.

Trotzdem möchte ich Ihnen einen allgemeinen Tipp auf den Weg geben. In der aktuellen Situation sollten Sie die Zinsen solange wie (individuell) möglich festzurren. Nicht etwa, weil ich mir sicher bin, dass die Zinsen in Zukunft nur noch steigen werden. Das ist mir ehrlich gesagt völlig egal. Denn die Finanzierung von selbstgenutztem Wohneigentum ist kein Glücksspiel. Sie müssen Entscheidungen auf der Basis aktueller, stabiler Fakten fällen.

Eine lange Zinsbindungsfrist hat den Vorteil, dass Sie für Ihr Leben Sicherheit gewinnen. Sicherheit ist im Bereich des Grundbedarfs – zu welchem Wohnen nun einmal gehört – das Wichtigste, was sie haben können.

Die aktuellen Zinsen sind so tief, dass man sich Schulden relativ gut leisten kann. Das ist gleichzeitig Segen und Fluch. Denn den niedrigen Zinskosten, stehen höhere Immobilienpreise gegenüber. Das sind leider siamesische Zwillinge.

Also: die Zinsen sind tief. Egal ob Sie sich nun für 5, 7, 10 oder 15 Jahre binden. Sie sind relativ tief. Wenn Sie sich die Zinsen heute leisten können, haben Sie deshalb auf lange, lange Sicht Planungssicherheit. Das lässt Sie gut schlafen und ist mehr Wert als jeder theoretische Zinsvorteil.

Möglicherweise steht die Zinslandschaft im Moment vor einem Umbruch. Ein solcher Umbruch kann blitzschnell erfolgen. Innerhalb von wenigen Stunden. Woran man dies erkennt? An der Tatsache, dass in jüngster Zeit, am langen Ende der Zinsen (Laufzeiten von 10 und mehr Jahren), spürbar mehr Geld verlangt wird. Nicht extrem viel, aber im Vergleich zu der Situation vor einem Jahr beachtlich.

Trotzdem sollten Sie – wenn es ihre persönliche Situation erlaubt – sich von den etwas höheren Zinskosten nicht abschrecken lassen und sich für eine möglichst lange Zinsbindung entscheiden. Sollte Sie das finanziell vor Probleme stellen, müssten Sie sich die Frage stellen, ob sie überhaupt Schulden, bzw. so hohe Schulden haben sollten. Vermutlich nicht.

Die ideale Laufzeit für die Hypothek? Das, was am besten zu Ihrem Leben passt!

Persönlich glaube ich, dass wir in den nächsten zehn Jahren massive Verwerfungen an der Zinsfront haben werden. Zumindest erwarte ich, dass die Zinsen innerhalb der nächsten zehn Jahren auf ein vernünftiges Normalmaß hochgefahren werden. Normalmaß bedeutet unter den aktuellen Bedingungen eine Zinsspanne von 3,5 – 4,5 %. Mit einer langen Zinsbindungsfrist könnten Sie sich davor schützen. Mit einer kürzeren Zinsbindung fallen Sie u.U. in ein deutlich ungünstigeres Zinsumfeld.

Aber wie gesagt: Das ist Spekulation. Es sollte bei Ihrem Entscheid nicht um eine theoretische Kostenminimierung (welche sich nicht einmal im Ansatz verlässlich prognostizieren lässt), sondern um (Planung-)Sicherheit gehen.

Planen statt spekulieren

Am Ende kann ich Ihnen doch noch einen allgemeingültigen Tipp geben: Das größte Risiko besteht nicht in der Zinsbindungsfrist und der Zinshöhe. Das größte Risiko sind zu hohe Schulden und eine schlechte Absicherung für den Störfall. Beides kann man in den Griff bekommen, indem man Vernunft walten lässt und sich richtig organisiert. Dazu ist es aber notwendig, sich die Zeit zu nehmen die Fakten ehrlich auf den Tisch zu legen und passende Notfallpläne zu erarbeiten. Das bedeutet einen gewissen Aufwand, ist weniger spannend als Zinstabellen miteinander zu vergleichen. Aber viel effektiver und billiger.